
Zettel (2025)
Text von Ursula Badrutt:
«Ich mag sie, deshalb behalte ich sie», meint Luisa Zürcher unprätentiös zu den Zetteln, auf denen sie während des Arbeitens rumkritzle, etwas ausprobiere, den Stift, die Feder abstreife. Als sie ihr beim Aufräumen in die Hände kommen, macht sie damit eine Auslegeordnung. So entstehen vier Zettel-Collagen für das Porträt-Obacht. «Sie porträtieren einen Teil meines künstlerischen Tuns, das sonst nicht sichtbar wird», so die Künstlerin mit einem Bachelor der Hochschule Luzern in Animationsfilm und einem Werkbeitrag der Ausserrhodischen Kulturstiftung. Sie porträtieren aber auch auf eine sehr unmittelbare, authentische Art die 1998 geborene Künstlerin selbst: ihre Vorgehensart, ihre Freude am Ausprobieren, am spielerischen Umgang mit Vorgefundenem, ihre Wertschätzung unscheinbarer Dinge und seien es bloss unwichtige Kritzeleien, Tintenfarbtests oder verworfene Zeichnungen. Auch ihre Ausdauer und die manchmal aufkeimende Ungeduld. Die einzelnen Blätter sind verschoben übereinandergelegt, verdecken sich gegenseitig, geben aber auch vieles Preis. Für sie seien diese Zettel fest mit der jeweiligen Situation und Stimmung verbunden, in der sie entstanden sind. Luisa Zürcher kann sie entsprechend mühelos zuordnen. Alle gelochten Zettel gehören zu «Ich bin mir nicht sicher», dem Animationsfilm, mit dem sie aktuell an nationalen und internationalen Festivals präsent ist. Da lugen die Füsse der Künstlerin hervor, die gerade auf dem Krankenbett in den Operationssaal geschoben wird. Darüber ein Satzbruchstück, überlagert von einer Liste an Geräuschen aus dem Abschlussfilm «S’isch wies isch» (2021). Ein in einem Papier deponierter Kaugummi wird zur hellen Sonne, daneben ein Arm, Finger – noch ganz frisch. Bereits ein Hinweis auf das neues Projekt, ein Splatterfilm, in dem Geissen aus Schönengrund eine Rolle spielen werden?
Tusche, Tinte, Acrylstift auf unterschiedlichen Papieren






